40 Jahre GBZ

Duales Modell als Exportschlager

40 Jahre Gewerbliches Bildungszentrum Bruchsal

Mit 40 Jahren mag das Gewerbliche Bildungszentrum (GBZ) in der Bruchsaler Südstadt zwar auf eine stolze Geschichte zurückblicken – aber die Ursprünge reichen ins Jahr 1835 zurück. „Seit 186 Jahren ist man in Bruchsal mit gewerblicher Bildung unterwegs“, würdigte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel in der Feierstunde am Samstag, den 16. Oktober 2021. Die Schulleiter der Balthasar-Neumann- Schulen 1 und 2 konnten Vertreter aus dem Landratsamt, dem Regierungspräsidium, Kreisrat, Rathaus Bruchsal, Handwerkskammer sowie Schulleiter-Kollegen der berufsbildenden Bruchsaler Schulen und natürlich ihre Vorgänger aus dem eigenen Haus begrüßen.

Die Vielseitigkeit des lokalen Handwerks konnten künftige Auszubildende und Interessierte bereits am Vormittag bei der Messe „GBZ meets Sprungbrett Ausbildung“ erleben. Rund 40 Betriebe und Innungen aus allen Branchen präsentierten auf dem Schulgelände ihre Karriereangebote für Jugendliche. Beim Rundgang durch die Gebäude interessierte sich Landrat Schnaudigel insbesondere für die Neuerungen, die der Landkreis als Schulträger jüngst investiert hatte. So wurde für einen sechsstelligen Betrag etwa die Lackierkabine erneuert, die mit einer höheren Luftumsetzung den Spritznebel reduziert und den Auszubildenden eine zeitgemäße Ausbildungssituation bereitstellt. Die neue Biegepresse für Metallbauer stellte weniger für die geräumigen Werkstätten, aber zuvor für die engen Schulflure eine Herausforderungen dar. In der „Lernfabrik 4.0“ wird interdisziplinär smarter Gebäudetechnik vermittelt, auf einer interaktiven Lernplattform können die einzelnen Bauphasen nicht nur geplant, sondern auch simuliert werden. Schließlich ein Ausblick in die „Autowerkstatt 4.0“ gemacht, zumal neben den klassischen Lehrstoffen verstärkt Elektromobilität und autonomes Fahren in den Lehrplänen stehen soll, was einen weiteren Umbau der Werkstätten nach sich ziehen wird.

Landrat Schnaudigel bezeichnete das duale Modell, das bereits Großherzog Leopold von Baden 1835 begründete, als „Exportschlager in der ganzen Welt“. Da Bruchsal der größte Berufsschulstandort des Landkreises ist, bedankte er sich bei Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick für die gute Zusammenarbeit. Den zukunftsgerichteten Kerngedanken, Theorie mit Praxis und Handwerk mit Wirtschaft zu verknüpfen, diese Partizipation untereinander sei nur durch ständige Flexibilität und Dynamik zu verwirklichen. Dass der Weg in die Industrie 4.0 in Bruchsal weitergehen muss, dazu zeigten sich auch Frank Heusch (Schulleiter BNS 1) und Andreas Beisecker (stellvertretender Schulleiter BNS2) fest entschlossen.

Text: Armin Herberger

40 Jahre GBZ

40 Jahre GBZ – Festakt und Ausbildungsmesse

 

Am Samstag, den 16. Oktober feierten die Balthasar-Neumann-Schulen (BNS 1 und BNS 2) und der Landkreis Karlsruhe das 40-jährige Bestehen des Gewerblichen Bildungszentrums in Bruchsal mit einer Ausbildungsmesse und einem Festakt mit zahlreichen Ehrengästen. Nachdem der Kreistag 1971 einen Neubau der Gewerbeschule in der Südstadt beschlossen hatte (davor stand die Schule am Luisenplatz in Bruchsals Innenstadt), erfolgte 1981 der Bezug des Neubaus. Das renommierte Architekturbüro von Günter Behnisch (Behnisch & Partner) – bekannt für die Planung des Olympiageländes in München –  hat das Gebäude entworfen, das seit 2015 unter Denkmalschutz steht. Das Schulgebäude ist typisch und stilbildend für die Schulhausarchitektur dieser Zeit ist, die v.a. im deutschen Südwesten von Behnisch mitgeprägt wurde. Beim Gewerblichen Bildungszentrum handelt es sich um eine situative Architektur, die sich in die Umgebung (Auenlandschaft, Entlastungskanal und Wälder) harmonisch einfügten sollte und eine offene und kommunikative Struktur aufweist, die sie mit der Bruchsaler Südstadt „verzahnen“ sollte. Das Grün der Außenverkleidung greift die Farben der umgebenden Schönbornwiesen auf und die zahlreichen großen Fensterflächen holen die Natur ins Gebäude hinein, das im 1. Obergeschoss durchgängig mit Dachgärten versehen ist. Zudem weist das Gewerbliche Bildungszentrum einige architektonische Features auf, die es von einem reinen Zweckbau abhebt. So ziehen sich Betonsäulen mit einem Abstand von 8m durch das ganze Schulgebäude und geben auch der Fassade ihre Struktur.  Vor diesem Hintergrund ist die Äußerung von Frank Heusch, dem Schulleiter der BNS1, es handele sich um „die schönste Schule Süddeutschlands“ nachvollziehbar, auch wenn weniger Architekturkundige dieses Etikett eher gründerzeitlichen, historistischen Schulgebäuden anheften würden.

Was für die einen ein Segen ist, ist für die anderen ein Fluch, so mokierte sich Landrat Schnaudigel in seiner humorvollen Rede über das Gebäude, das nach weniger als 50 Jahre bereits ein Sanierungsfall sei, also nicht gerade eine „nachhaltige“ Bilanz aufweise. Kurz darauf versicherte er aber zur Erleichterung der Zuhörenden, dass der Landkreis nicht vorhabe, die Schule abzureißen. Auch betonte Schnaudigel, dass der Kreistag immer ein offenes Ohr gehabt habe, wenn es um Finanzierungswünsche ginge, und schließlich sei die duale Ausbildung ein weltweit vielbewundertes Modell, sodass die Auszubildenden an der Berufsschule mit den neuesten technischen Errungenschaften vertraut gemacht werden sollen.

Festakte müssen nicht immer langweilig sein, die Rede von Schnaudigel war es nicht und die beiden Schulleiter, Frank Heusch und Andreas Beisecker  führten pointiert und souverän gemeinsam durchs Programm. Bemerkenswert auch die weiteren Programmpunkte des Festakts, die dafür sorgten, dass keine Langeweile aufkam: Das Berufskolleg „Mode und Design“ (BNS 2) führten einen Clip über eine Modenschau ihres Abschlussjahrgangs vor, das drei verschiedene Locations am Gewerblichen Bildungszentrum benutzte: im Keller, vor dem Gebäude und in den Gängen. Nicht nur die fantasievollen Kostüme überzeugten, auch die Clips selbst waren professionell gestaltet. Schulleitungsassistentin Hannah Gretter hatte zudem die originelle Idee, ein im Kreisarchiv verwahrtes „Fototagebuch“ vom den Baufortschritten am GBZ als Film zu gestalten. Auf diese Weise kamen die Zuschauer in den Genuss von historischen, bisher unveröffentlichten Fotoaufnahmen.

Bei so einem Empfang darf auch die musikalische Umrahmung nicht fehlen und wer meint, dass Gewerbliche Schulen für kein künstlerisches Potential in ihren Reihen hat, hat sich gewaltig getäuscht, Schulleitungsassistentin Hannah Gretter, bisher vor allem als Organisationstalent für das Gewerbliche Bildungszentrum aufgefallen, griff selbst zum Mikrofon und performte intonationssicher und mit attraktiv-dunkler Stimmfarbe zusammen mit dem technisch versierten Gitarristen Niklas (zusammen sind sie „Hannah & Niklas“) zwei Songs: „Royals“ von Lorde und die unvermeidliche Feierhymne „Ein Hoch auf uns“, hier allerdings in einer untypischen, weil eher zurückhaltenden Interpretation.

Beim anschließenden Empfang war es eine wahre Freude, alle noch lebenden und inzwischen im Ruhestand befindlichen Schulleitungsteams beider Schulen im Gespräch vertieft zu sehen mit ihren ehemaligen KollegInnen und mit den jetzigen Schulleitungen. So waren der die beiden Vorgänger von Frank Heusch, Herbert Schäffner (2002-2020) und Rolf Dörflinger (Schulleiter von 1993-2002), und der Vorgänger von Horst Schwab, Bernhard Ihle (1983 bis 2002) zu Gast. Leider ist der Schulleiter, der den Neubau mit seiner fachlichen Kompetenz mit begleitete und beeinflusste (gleichzeitig der letzte Schulleiter vor der Teilung der Schulen) Felix Dorwarth,  2012 im Alter von 87 Jahren verstorben, er hätte ein wertvoller Zeitzeuge sein können für die Baugeschichte des Gewerblichen Bildungszentrums.

Beim Festakt erwiesen zahlreiche Gäste der Schule die Ehre: Neben den ehemaligen Schulleitern waren u.a. mehrere Mitglieder des Kreistags, die Oberbürgermeisterin von Bruchsal, Cornelia Petzold-Schick und der Geschäftsführer der „Bruchsaler Wirtschaftsförderung“ zugegen, die die Ausbildungsmesse maßgeblich mitorganisiert hat.

Doch bevor das Gebäude beim Festakt um 13 Uhr ins Zentrum rückte, stand etwas anderes im Zentrum: die von den Balthasar-Neumann-Schulen zusammen mit der Wirtschaftsförderung Bruchsal organisierte Ausbildungsmesse. Dabei ging es um die Vorstellung der verschiedenen dualen Ausbildungsberufe und die weiterführende schulische Bildung mit berufspraktischen Schwerpunkten, die zumeist mit einem höheren allgemeinen Bildungsabschluss verbunden sind. Übrigens war dieses Miteinander von praktischer und theoretischer Bildung auch eine Vorgabe für den Neubau des Gewerblichen Bildungszentrums gewesen. Nach dem Schulentwicklungsplan von Anfang der 1970er Jahre sollten Vollzeitschulen und duale Ausbildungsgänge in einem Gebäude vereint sein und sich gegenseitig „befruchten“.

Bei der Ausbildungsmesse waren ca. 40 Firmen und Institutionen aus den Bereichen Verwaltung, Dienstleistung, Handwerk und Industrie, darunter auch Global Player wie SEW und Neff, mit Ständen vertreten, stellten ihre Unternehmen vor und informierten die jungen Menschen über die Möglichkeit, eine Ausbildung oder ein duales Studium zu absolvieren.

Insgesamt gaben sich die Internen wie die externen Betreiber große Mühe, ihre Schulformen und Ausbildungsangebote so anschaulich wie möglich zu präsentieren. Dabei hatten die handwerklichen Berufe leichte Darstellungsvorteile: Vor allem im um das Werkstattgebäude herum ging Einiges: da wird gehämmert, geschweißt, gehobelt, geschmiedet, gelötet. Und es gab was zu sehen: Maschinen, Werkzeuge, hochkomplexe Anlagen, 3-D-Drucker. Bei der SchreinerInnen konnte man sich sein eigenes Vesperbrett mit CNC-Technik fräsen lassen, bei den Lackierern wurde live die Airbrush-Technik demonstriert. Hierfür konnte Eugen Lang gewonnen werden, ein an der Schule  als Fahrzeuglackierer ausgebildeter Airbrush-Künstler. Auch die neue, kurz vor der Fertigstellung stehende Lackierkabine konnte besichtigt werden.

Publikumsmagnet an der Balthasar-Neumann-Schule 2 war die Präsentation der Roboter, die hier im Technischen Berufskolleg und der Fachschule für Maschinentechnik programmiert werden. Ein Roboter wurde im Schulgebäude „losgelassen“ und trieb sich mal hier und mal da herum und trat in Interaktion mit den Gästen – schließlich will eine künstliche Intelligenz ja etwas dazulernen! Auch die Friseurinnen und Friseure setzten farbliche Akzente und stecken die Besucher mit ihrer Fröhlichkeit an. An der BNS 1 war der Bereich der „besonderen Fächer“ am Technischen Gymnasium attraktiv gestaltet: Ein Spielzeugauto wurde auf einer schiefen Rampe beschleunigt und durfte durch einen Ring fliegen  (neues Wahlfach „Naturwissenschaftliches Experimentieren“), man durfte die eigene Hand mit einer Wärmebildkamera analysieren lassen („Sondergebiete der Technik“) und das Team des Seminarkurses stellte die sehr praxisbezogenen Seminarkurse vor, die  mit mehrtägigen Exkursionen verbunden waren. Selbst ein Fach wie Gemeinschaftskunde wurde in der Präsentation am Samstag sehr „fassbar“: Die Wahlkabinen, die für die „Jugendwahl“ an der BNS1 bestellt wurden, standen für die Besucher bereit, mitsamt Original-Wahlzetteln. Eine Auswertung der Wahlergebnisse der 12. und 13. Klassen im Vergleich zum bundesweiten Ergebnis der Bundestagswahl wurde präsentiert. Im Bereich Augenoptik gab es eine Menge  zu sehen, neben der Sezierung eines Ochsenauges und der Vorführung eines Sehtests konnte man in einem abgedunkelten Raum Versuche der Strahlenoptik ansehen, darunter einen Versuch zu einer optischen Täuschung, eine Kerze, die scheinbar in einem Glas Wasser steht und weiterbrennt.

Ein Rundgang durch das Theorie- und das Werkstattgebäude und über den Schul- und den Werkhof und über den Hof, auf dem auch Stände aufgebaut waren, dauerte in zügigem Tempo eine gute Stunde. Die Messe war den Umständen entsprechend gut besucht: Nach Schätzung der Schulleitungen kann man von 600 Besuchern und Besucherinnen ausgehen. Zeitweilig kam  so etwas wie „Volksfeststimmung“ auf –  eine Hüpfburg war vorhanden und der Cocktailstand der Schulsozialarbeit verbreitete so etwas wie Partylaune. Aber halt, da war doch was! Genau: Corona. Nur Geimpfte, Getestete oder Genesene durften überhaupt das Gelände betreten, auf dem ganzen Gelände galt Maskenpflicht und es wurde ein Einbahnstraßen-Rundgang-System organisiert.

Als Beobachter hatte man jedenfalls den Eindruck, dass die Menschen genug hatten von digitalen Ausbildungsmessen, das persönliche Gespräch suchten und es genossen, die zahlreich vorhandenen Maschinen auch mal aus nächster Nähe anschauen zu können.

(Bernd Grün, BNS1)