Medienentwicklungsplan

Tag der digitalen Schule an der Balthasar-Neumann-Schule 1 und die Folgen

Die Balthasar-Neumann-Schule 1 in Bruchsal (BNS 1) hat sich mit dem schulinternen „Tag der digitalen Schule" im Oktober 2019 als Gesamtkollegium den Herausforderungen des digitalen Unterrichtens und Lernens gestellt. Im besten Sinne aufrüttelnd war der Impulsvortrag mit dem Titel „Raus aus der Kuschelecke – Lernen zeitgemäß gestalten". Dem Organisationsteam um Maren Gieringer und Kathrin Hüther war es gelungen, dafür Jan Hambsch zu gewinnen, Fachberater für neue digitale Medien am Regierungspräsidium Karlsruhe. Seine Schule, die Josef-Durler-Schule in Rastatt, ist schon seit 2011 auf dem Weg zu mehr Digitalisierung im Unterricht und wurde im Oktober 2019 vom Bundesbildungsministerium als „Smart School" ausgezeichnet. Nach dem Vortrag fühlten auch die letzten Digitalisierungsskeptiker, dass es nun an der Zeit ist, „aus der Komfortzone" herauszukommen, d.h., sich der Digitalisierung im Unterricht zu stellen. Dabei gehe es – so Hambschs Kernaussage - nicht darum, sich den Schülerinnen und Schülern anzubiedern und das Niveau zu senken, sondern zeitgemäße, den jungen Leuten vertraute Kommunikationswege zu nutzen, um diese besser und in letzter Konsequenz überhaupt noch zu erreichen.

Im Anschluss an den Vortrag durchliefen die Lehrkräfte einen zweistündigen „Parcours" von sechs aus insgesamt zehn möglichen Stationen, die einen Einblick in digitale Unterrichts- und Organisationsmethoden gaben. Dabei zeigte es sich, dass die BNS 1 bei der Digitalisierung keineswegs am Anfang steht, denn sämtliche Station wurden von Lehrkräften der BNS 1 angeboten und es war immer wieder eine Überraschung, welche digitalen Kompetenzen bei den Kolleginnen und Kollegen vorhanden sind. Besonders beeindruckend waren die Präsentationen im Bereich „Sanitär, Heizung und Klimatechnik" in Bezug auf digitale Steuerung des Abwasserstands und Smart Home-Anwendungen. Im Bereich Schul- und Unterrichtsverwaltung wurde das Programm Schulfix vorgestellt, außerdem gab es eine Einführung in ein schnelles, unkompliziertes Schüler-Lehrer-Feedback unmittelbar nach der Schulstunde. Ein Kollege stellte die Möglichkeiten der Organisation von Unterrichtsmaterialien und digitalen Unterrichtsdokumentationen vor. Was den Unterricht selbst betrifft, so erfolgte eine Einführung in den Tablet-Unterricht, zudem wurden Möglichkeiten der Videoanalyse bei physikalischen Experimenten aufgezeigt. Dass das Erstellen von Lernvideos mit der entsprechenden Software kein Hexenwerk ist, eröffnete für viele ganz neue Perspektiven der Unterrichtsgestaltung. So können selbst erstellte Lernvideos sowohl als Unterrichtsmaterial Verwendung finden, wie auch als Ergebnissicherung für die Hand der Schülerinnen und Schüler. Inzwischen reguläre Verwendung im Unterricht im TG-Profil „Gestaltungs- und Medientechnik" findet der im letzten Jahr angeschaffte 3-D-Drucker, der hier ebenfalls vorgestellt wurde. Zuletzt stellte eine Kollegin die Plattform „E-Twinning" vor, die an der BNS 1 im Fremdsprachenunterricht bereits rege Verwendung findet, aber auch in anderen Fächer für mehr internationalen Austausch sorgen könnte.

Doch war dieser „Tag der digitalen Schule" im Oktober letzten Jahres nur ein Highlight, das ohne Konsequenzen geblieben ist? Diese Frage kann im Abstand von neun Monaten klar mit „Nein" beantwortet werden. Zum einen muss betont werden, dass sich bereits vor dem Tag der digitalen Schule etwas bewegt hat: Besonders engagierte Lehrerinnen und Lehrer wurden bereits vor etwa einem Jahr mit schuleigenen Tablets ausgestattet, haben digitale Unterrichts- und Organisationsmethoden ausprobiert und bereits ihre Kolleginnen und Kollegen fortgebildet. Inzwischen sind 22 Lehrerinnen und Lehrer mit Tablets (Microsoft Surface) und iPads ausgestattet worden und treffen sich zu einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch. In diesem Kreis hat sich auch das Mittel der Kurzfortbildung etabliert: So berichtet eine Lehrkraft über ihre Erfahrung mit einer bestimmten Lehr-/LernApp für interessierten Kolleginnen und Kollegen. Und nun passiert genau das, was vorher nur die Ausnahme war: Man lernt eine neue Technik kennen, lernt dabei voneinander, tauscht sich aus und so profitieren alle davon, nicht zuletzt auch die Schüler und Schülerinnen. So nutzt die Digitalisierung letztlich auch dem kollegialen Klima an der Schule.

Jeder Digitalisierung sind jedoch schnell Grenzen gesetzt, wenn die technischen Rahmenbedingungen nicht stimmen. Gerade hier hat die BNS 1 in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Karlsruhe große Schritte nach vorne gemacht. So verfügt das gesamte Gewerbliche Bildungszentrum seit Anfang des Jahres 2020 über ein funktionsfähiges, frei zugängliches W-Lan-Netz, was beispielweise Unterrichtsbeteiligungen der Klassen mit ihren eigenen Smartphones ermöglicht. Außerdem sind bereits die meisten Klassenzimmer mit stationären Rechnern, Beamern und Lautsprechern ausgestattet, teilweise auch mit Whiteboards. Auch wenn es an der BNS 1 keine Tabletklassen gibt, so verfügt sie doch seit Juni 2017 über einen Wagen mit einem „Klassensatz" Tablets.

Die Digitalisierung ist zwar kein Allheilmittel und garantiert nicht automatisch besseren, nachhaltigeren und lebendigeren Unterricht, aber wer sich der Digitalisierung konsequent verschließt, wird irgendwann die Schülerinnen und Schüler nicht mehr erreichen können. Gegenvorschläge, die Schule zu einem „digitalfreien Raum" zu machen, um ein Gegengewicht zur „Handysucht" zu bieten, sind nicht realistisch, weil sich der Gebrauch der Smartphones bereits zur Alltagsrealität der Schulklassen gehört. Praktisch heißt das, dass die Lehrerinnen und Lehrer sich mit dem digitalen Möglichkeiten vertraut machen müssen, um sie dann gezielt einzusetzen, wenn sich daraus ein didaktischer Mehrwert ergibt. Das kann auch schon mit geringem Aufwand umgesetzt werden, etwa wenn man die Klasse am Ende einer Unterrichtsstunde zur Lernkontrolle auf dem eigenen Smartphone ein Kahoot machen lässt - eine Art Quiz, bei welchem Qualität und Schnelligkeit der Antworten zählen und das bei den Schülerinnen und Schülern sehr beliebt sind und ihre Motivation, dem Unterricht zu folgen, erheblich steigert. Abgesehen davon kann sich die Digitalisierung auch arbeitserleichternd auswirken, wie durch eine stets griffbereite digitale Unterrichtsdokumentation (inkl. digitale Tafelbilder) oder eine übersichtliche Unterrichtsorganisation auf dem stets griffbereiten Tablet.

Das alles hat dazu geführt, dass die BNS 1 seit Dezember 2019 nun ganz offiziell den vom Land Baden-Württemberg vorgegebenen „Medienentwicklungsplan" umsetzt und auf diese Weise auch von den Mitteln des in der Öffentlichkeit so breit diskutierten „Digitalisierungspakts" des Bundes teilhaben kann. Einen weiteren „Digitalisierungsschub" erlebte die BNS1 in den zurückliegenden Corona-Monaten, während derer digitale Medien für den Fernunterricht genutzt wurden. Zur Vereinheitlichung des „home-schooling" hat sich die BNS1 nun entschlossen, die Lernplattform moodle sowie die Kommunikationsplattform BigBlueButton verbindlich einzuführen.

(Bernd Grün, BNS1)

 

Stand: 27.10.2020

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